Texte - Heilige Eucharistie
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S.E. Jean-Claude Périsset - Grußwort des Apostolischen Nuntius in Deutschland

Ich wünsche, einige Gedanken über die Eucharistie zur Betrachtung vorzuschlagen, denn sie ist tatsächlich ein „Geheimnis des Glaubens“, wenn wir sie, besonders im Jahr des Glaubens, als Höhepunkt des kirchlichen Lebens anerkennen, wie die dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“ sie beschreibt: „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11,1). Das liturgische Formular – besonders die Hymnen des Kirchenlehrers Thomas von Aquin von Fronleichnam – sind eine vortreffliche Hilfe zur eucharistischen Anbetung.

Wie man in der Sprache der modernen Kommunikationsmittel sagt, wünsche ich nur einige „clips“ – auf Deutsch würde man am besten „Schaufenster“ sagen – Ihnen öffnen, die alle das Geheimnis der Anwesenheit des auferstandenen Christus in den sakramentalen Species beleuchten: 1.- Die selige Ulrika von Hegne im Erzbistum Freiburg erklärte ganz einfach, was sie vor dem Tabernakel tat: „Er steht vor mir, ich stehe vor ihm.“ Wir alle wohl wissen, dass die Nähe der Liebenden ihre gegenseitige Liebe wachsen lässt. 2.- In diesem Sinne – aber jetzt mehr aktiv – ist die Antwort jenes Bauern zu verstehen, der auf die Frage des Pfarrers von Ars, was er vor dem Tabernakel bete, antwortete: „Ich schaue ihn an, und er schaut mich an.“ 3.- Derselbe Thomas von Aquin, der so tiefe Aussagen über die Eucharistie gemacht hat, dessen Hymnen gleichsam ein Vademekum über dieses Sakrament bilden, sagte ganz demütig: „Ich habe mehr in der Betrachtung vor dem Allerheiligsten gelernt als in allen Büchern.“ Da versteht man, warum er - der „doctor angelicus“ und der „doctor communis“ - nach seiner Ekstase während der heiligen Messe am 6. Dezember 1273 in Neapel von seinen eigenen Werken sagte: „Das alles ist nur Stroh.“ 4.- Der selige Papst Johannes Paul II. hatte eine ganz eigene Beziehung zum Allerheiligsten. Als Erzbischof von Krakau ließ er im Hintergrund seiner Hauskapelle einen Tisch mit einer Tischlampe aufstellen, weil er seine Predigten und anderes mit dem Blick auf das Allerheiligste im Tabernakel vorbereiten wollte. 5.- Wohl bekannt ist, dass die Gegenwart Christi im Tabernakel eine überwältigende Kraft hat, wie ein berühmter Konvertit bezeugt. Obwohl er Agnostiker war, besuchte er gern alte Kirchen und Kathedralen als Kunstwerke. In einer Kirche sah er einmal eine Frau eintreten, die, bevor sie zum Gebet in eine Bank ging, mit so lebendigem Glauben eine Kniebeuge machte, dass der Agnostiker nur noch sagen konnte: „Ja, da vorne ist wirklich jemand, den man verehren muss.“ Diese Begebenheit wurde durch die selige Mutter Teresa von Kalkutta öfters erzählt. Im Jahr des Glaubens, lohnt es sich, und sicher wird es immer mehr nötig, unsere eucharistische Anbetung mit der Gnade des Glaubens lebendiger zu tun, sicher daß Gott die Gnade des Glaubens uns nicht entzieht, wenn wir vor Ihm in Anbetung stehen, Ihn anschauen, und Ihm unser Gebet richten. Berlin, 29. Juni 2013

Pfarrer Ulrich Filler - Die Möglichkeit des Kommunionempfangs für evangelische Christen – eine Anfrage an die sakramentale Struktur der Kirche

War Roger Schutz katholisch? Die französische Zeitung „Le Monde“ verbreitete am 5. September d. J. eine Meldung, die geeignet war, manchen katholischen Geistlichen erleichtert aufatmen zu lassen: Nach Angaben des französischen Historikers Yves Chiron sei der 2005 ermordete Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Roger Schutz, bereits 1972 zur katholischen Kirche übergetreten.1

Aufatmen konnten besonders die Seelsorger, die in der Frage nach der Möglichkeit des Kommunionempfangs für Nichtkatholiken (und insbesondere für evangelische Christen) in ihren Gemeinden bislang eine streng ablehnende Haltung vertraten – sie kamen ja spätestens seit dem April 2005 in eine gewisse Erklärungsnot, als bei der Beisetzungsfeier von Papst Johannes Paul II. der damalige Kardinaldekan Joseph Ratzinger und heutige Papst Benedikt XVI. dem Protestanten Frère Roger vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Kommunion reichte. Die Nachricht von seiner angeblichen Konversion ist nicht neu, solche Gerüchte wurden immer wieder verbreitet und fanden nicht zuletzt in der ebenfalls immer wieder kolportierten Meldung Nahrung, daß Roger Schutz wohl seit 25 Jahren im Petersdom regelmäßig die hl. Kommunion empfing.2 Auf der anderen Seite wurde die Nachricht der angeblichen Konversion sofort von dem neuen Leiter des ökumenischen Zentrums bestritten. Der Nachfolger von Schutz, Frère Alois, bekräftigte, daß Frère Roger niemals „formell“ übergetreten sei und einen solchen Schritt auch nicht hätte verheimlichen wollen.3 Bereits am 22. September 2005 erklärte die Glaubenskongregation auf eine entsprechende Anfrage des „Netzwerks Katholischer Priester“ hin, daß der Kommunionempfang von Roger Schutz versehentlich erfolgt sei und deshalb – „um Unklarheiten zu vermeiden“ – bei dem Amtsantritt von Papst Benedikt XVI. vor der Kommunionausteilung verkündet wurde, daß nur katholische Christen, die in der rechten Weise disponiert sind, den Leib des Herrn empfangen können.4

Pfarrer Ulrich Filler - Zum 40. Jahrestag der feierlichen Proklamation der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils „Sacrosanctum Concilium“ am 4. Dezember 1963

Unmittelbar bevor am 4. Dezember 1963, dem Schlusstag der zweiten Sitzungsperiode des II. Vatikanischen Konzils, die – von den Konzilsvätern mit begeistertem Beifall begrüßte - endgültige und förmliche Abstimmung über das Schema über die Liturgie stattfand, fasste Papst Paul VI. das Anliegen des Konzils in diesem Punkt noch einmal zusammen.

Das erste Schema, das das Konzil diskutierte, sei das der heiligen Liturgie und der Gegenstand sei auch „in gewissem Sinn der erste nach seiner inneren Vorzüglichkeit und seiner Bedeutung für das Leben der Kirche.“ Es gehe dem Konzil darum – so der Papst – den liturgischen Ritus zu vereinfachen und dem Volk verständlicher zu machen und auch die liturgische Sprache der von dem jeweiligen Volk gesprochenen anzupassen. Es gehe aber nicht darum, die Liturgie ärmer zu machen – „im Gegenteil, wir wünschen uns die Liturgie reiner, treuer, mehr in Übereinstimmung mit der Quelle der Wahrheit und Gnade und geeigneter, in ein spirituelles Erbe des Volkes verwandelt zu werden.“ 1 40 Jahre nach der feierlichen Proklamation von „Sacrosanctum Concilium“ mag dieser Wunsch des Papstes und des Konzils als kritischer Maßstab gelten. Wurden die Erwartungen, die die Liturgie- konstitution begleiteten, erfüllt? Ist die Liturgie heute „reicher“ geworden, statt ärmer? Wird sie in unseren Pfarrgemeinden heute „reiner und treuer“ gefeiert, als es vor dem Konzil der Fall war? Ist die heilige Liturgie ein wirkliches „spirituelles Erbe des Volkes“ geworden? Im Grunde genommen handelt es sich um rhetorische Fragen. Nicht nur deshalb, weil das traurige, oft verheerende Bild der Liturgie in unseren Pfarrgemeinden – das bekannt und viel beklagt ist und hier nicht noch einmal detailliert beschrieben werden muss – eher auf das Gegenteil der Konzilshoffnungen hinweist, sondern vor allem deshalb, weil man sich unwillkürlich sträubt, die heutige Form der Liturgie mit ihrer vorkonziliaren Form zu vergleichen. Zu unterschiedlich wirken beide auf den Betrachter, zu sehr hat man das Gefühl, jeweils mit etwas ganz anderem konfrontiert zu sein, sozusagen „Äpfel mit Birnen“ vergleichen zu müssen. Wenn wir heute von der „alten“ und der „neuen“ Messe sprechen, dann sind schon im Grundansatz zwei ganz verschiedene Formen der Feier gemeint. Ganz offensichtlich hat es seit dem Konzil in dem weltweiten katholischen Ritus einen deutlichen Bruch gegeben. Und dieser wird landläufig durch verschiedene Gegebenheiten illustriert: An die Stelle einer „klerikerzentrierten“ Liturgie, an der das Volk keinen Anteil hatte (sondern meist rosenkranzbetend in der Bank saß) trat eine Feier der ganzen Gemeinde, die neu als Subjekt und Träger des Gottesdienstes begriffen wird; die überholte und unverständliche Kultsprache wich dem Gebrauch der Landessprache; der Zelebrant (den man jetzt lieber „Vorsteher“ nennt) wendet dem Volk nicht mehr den Rücken zu, sondern steht am Ambo und Volksaltar den Gläubigen gegenüber; der in der vorkonziliaren Liturgie verlorene „Mahlcharakter“ der Messfeier wurde – u.a. durch die Einführung der Handkommunion – wieder betont; ganz allgemein trat an die Stelle eines steifen, jede Geste des Priesters festlegenden Zeremoniells eine Feier mit zahlreichen freien Gestaltungsmöglichkeiten usw… Für den Nachgeborenen, der die „alte“ Messe nicht mehr aus eigener Anschauung erlebt hat, wurde und wird der Eindruck vermittelt, mit der Liturgiereform wurde eine Art gespenstischer, mittelalterlicher Mummenschanz endlich über Bord geworfen. Wenn man aber in dem Dokument, das diese Veränderung ausgelöst haben soll, den Grund dafür sucht, sucht man vergeblich. Man findet nämlich keinen Hinweis auf eine solche totale Veränderung, wie sie in der Liturgie offensichtlich eingetreten ist. „Sacrosanctum Concilium“ spricht davon, dass die Reformvorhaben „sorgfältig“ (SC 21) durchzuführen sind, ja das nicht eine Neuschöpfung, sondern ein „organisches“ Wachstum der Liturgie das Ziel sei (SC 23), dass die Riten nur „unter treulicher Wahrung ihrer Substanz“ (SC 50) verändert werden sollten und das keine Neuerungen eingeführt werden sollen, „es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es“ (SC 23). Es geht der Liturgiekonstitution dabei nicht um eine eigentliche Liturgiereform, sondern eher um allgemeine Grundsätze dafür. Darin werden u.a. Wünsche für die Haltung der Mitfeiernden (die Forderung nach der vielzitierten und oft falsch verstandenen „tätigen Teilnahme“ durchzieht SC wie ein Kehrreim) oder für eine angemessene Inkulturation der Liturgie ausgesprochen. Daneben gibt der Text auch einige konkrete Anordnungen für die Reform der Messliturgie. Es heißt dort u.a. Die Riten sollen überarbeitet, vereinfacht und am Maßstab der altkirchlichen Überlieferung ergänzt werden (SC 50), die biblische Leseordnung soll erweitert werden (SC 35/51), auf die Predigt soll größerer Wert gelegt werden (SC 35/52). Betont wird die Einheit der Messfeier und die Verbindung von Messe und Kommunionempfang (SC 55). Unter bestimmten Umständen will man die Kommunion unter beiderlei Gestalten sowie die Konzelebration der Priester ermöglichen (SC 55/57-58). Weitere Anordnungen betreffen Anordnungen zum Katechumenat und den Sakramenten (SC 59-78) und zur Feier des Stundengebets (SC 83-101). Ebenfalls eigene Kapitel erhielten Verfügungen zum liturgischen Jahr und Kalender (SC 102-111), zur Kirchenmusik (SC 112-121) und zur sakralen Kunst (SC 122-130). Die augenfälligste Veränderung gegenüber dem früheren Ritus besteht in der Erlaubnis, der Muttersprache „vor allem in den Lesungen, Hinweisen und einigen Orationen und Gesängen“ einen „weiteren Raum“ zu geben. Aber dieser Bestimmung ist der klare Hinweis vorgeschaltet, dass der Gebrauch der lateinischen Sprache in den lateinischen Riten erhalten bleiben soll (SC 36). Allein diese vorsichtigen Einschränkungen bezeugen, dass die Konzilsväter nicht an eine totale Veränderung der Liturgie dachten – immerhin hat der streitbare Erzbischof Marcel Lefebvre, der einige Jahre später sogar ein Schisma riskierte, um Priester für die „alte“ Messe weihen zu können, dem Dokument seine Unterschrift nicht versagt. Die einfachste Erklärung dafür ist nicht in einem abrupten Sinneswandel des Erzbischofs zu suchen, sondern in der Tatsache, dass die Konzilsväter mit „Sacrosanctum Concilium“ etwas ganz anderes im Sinn hatten, als später dabei herausgekommen ist. Ebenso wenig dachte man an eine veränderte Liturgie auf dem Hintergrund eines veränderten Kirchen- bildes – die Kirchenkonstitution wurde erst ein Jahr nach dem Text über die Liturgie verabschiedet. Es ging dem Konzil eher um eine pastoraldidaktische Reform, die den Gläubigen einen verbesserten Zugang zum heiligen Geschehen ermöglicht, die die Liturgie eben zu einem „spirituellen Erbe des Volkes“ werden lässt, verbunden mit einer inhaltlichen Korrektur an einzelnen Punkten der historischen Entwicklung. Die wenigen Gegenstimmen zum Liturgiedokument sprechen dafür, dass die Konzilsväter in dem Text kein großes Konfliktpotential erblickten. Es bleibt eine Tatsache, dass diejenigen konkreten Veränderungen, die später zu Recht als besonders gravierende Unterschiede den Bruch (oder „Aufbruch“) zwischen „alter“ und „neuer“ Messe kenntlich machen – Zelebration am Volksaltar, weitgehendes Verschwinden der lateinischen Kultsprache, freie Gestaltungsmöglichkeiten. Erlaubnis der Handkommunion – in dieser Form nicht Anordnungen des Konzils selbst sind, sondern meist auf spätere Umsetzungsdokumente bzw. revidierte liturgische Bücher zurückgehen. Der Erklärung für den Bruch in der liturgischen Form der katholischen Kirche seit dem II. Vatikanum ist also mit dem Verweis auf „Sacrosanctum Concilium“ nicht Genüge getan. Sie wird einleuchtender, wenn man die „Vorgeschichte“ und die „Wirkungsgeschichte“ dieses Dokuments in den Blick nimmt: Es gibt wohl kaum ein Dokument des II. Vatikanums, das eine derart beeindruckende und weitreichende Vorgeschichte hat wie „Sacrosanctum Concilium“. Es ist die mindestens 60jährige Geschichte der liturgischen Bewegung. In der Einleitung zur Liturgiekonstitution des „Kleinen Konzilskompendiums“ wird der Bogen der Vorgeschichte vom Katholikentag von Mecheln 1909 über Mediator Dei (1947) und den Schriften Romano Guardinis bis zum Konzil gespannt.2 Das Schema über die Liturgie, das unter dem bedeutenden Einfluss deutscher und holländischer Kommissionsmitglieder vorbereitet wurde (die die Ideen und Anregungen der Liturgischen Bewegung einbringen konnten), war deshalb auch das einzige der ersten Schemata, das ohne große Proteste und Veränderungen von den Konzilsvätern beraten und beschlossen wurde. Man darf nicht übersehen, dass die Vorgeschichte eben auch die Geschichte einer breiten Erwartungshaltung, einer Sehnsucht nach Veränderung und Verbesserung im Bereich der Liturgie, eines gärenden und experimentierfreudigen Aufbruchs3 ist, der in drängender Form und Anfrage an das Konzil herangetragen wurde. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass zumindest hierzulande Gläubige, Priester und Bischöfe den „alten“ Ritus einfach leid waren und Veränderungen wünschten. Dabei handelte es sich durchaus – konform mit dem Wunsch Pauls VI. `- um den Wunsch nach Verlebendigung, Vertiefung und innigerer Teilnahme der Gläubigen (man blättere nur einmal in den heute noch lesenswerten Schriften von Guardini zur Messfeier4). Eine Reform der Liturgie lag sozusagen in der Luft – und der Versuch des Konzils, mit „Sacrosanctum Concilium“ auf diese Zeitströmung zu reagieren und die „in der Luft liegenden“ Anliegen5 behutsam aufzugreifen, verdient Bewunderung. Mehr aber noch als ihre Vorgeschichte sind heute die gewaltigen Folgen der Liturgiekonstitution von Bedeutung. Kein anderes Dokument des Konzils kann sich einer ähnlichen erschütternden Wirkungsgeschichte rühmen, keines hat einen solchen Streit, eine solche Zerrissenheit, solche – bis ins Schisma führenden – innerkirchlichen und bis heute aktuellen Auseinandersetzungen hervorgerufen, keines hat die äußere Form, die Physiognomie der Kirche stärker verändert. Dennoch wirkt die Liturgiekonstitution heute blass, gestrig, eigentlich unwichtig für die Gestaltung der Liturgie. „Sacrosanctum Concilium“ gab ein sehnsüchtig erwartetes Startsignal, das eine lawinenartige Entwicklung auslöste, die das Dokument ziemlich schnell unter sich begrub. Das, was die Konzilsväter als Maßstab einer vorsichtigen Reform vorgegeben haben, blieb im Überschwang der nachkonziliaren Euphorie unbeachtet. Die Erschütterungen begannen bereits unmittelbar nach der feierlichen Proklamation. Als Papst Paul VI. eine „vacatio legis“, einen Aufschub der Umsetzung von „Sacrosanctum Concilium“ zum 16. Februar 1964 verkündete um einen Modus der Umsetzung zu finden, Zeit zu haben, die Bischöfe, Priester und Laien von den kommenden Veränderungen zu unterrichten und neue liturgische Bücher zu erstellen, brach im Staatssekretariat „die Hölle los“.6 Wie ein Krimi liest sich dieser Teil der Konzilsgeschichte – Dokumente, die in verschiedenen, voneinander abweichenden Übersetzungen kursieren, veröffentlicht und zurückgezogen werden, zornige französische Bischöfe, die die Volkssprache ohne Verzögerung erlauben wollen, ein alter Kardinal, den man zu einer noch nötigen Unterschrift mobbte, bis er in Tränen ausbrach7 – man reibt sich verwundert die Augen. Hier wurde nicht ein Dokument des Konzils in aller nötigen Ruhe und Sorgfalt umgesetzt, hier hat man eher den Eindruck eines wahnsinnigen Kesseltreibens, eines Kampfes und Tauziehens zwischen „fortschrittlichen“ Bischöfen und römischer Kurie. Auch die Umsetzung der Liturgiekonstitution in den Pfarreien entbehrt nicht eines gewissen irrationalen Aspekts. Eine „Kulturrevolution“8 hat man sie zu Recht genannt. Im bilderstürmerischen Wirken zahlloser Priester und Kirchenausstatter offenbart sich eine regelrechte Autoaggression, ein geradezu masochistischer Hass gegen sich selbst und die eigene Herkunft. Mancher der Akteure dieser Epoche und ihrer Epigonen verabscheut bis heute nichts mehr als die Kirche der Vergangenheit, in der er selbst einmal seinen Glauben und seine Berufung gefunden hat. Man zerstörte ihre Symbole und ihren Kult, weil man in ihnen ein Stück der eigenen „alten“ Identität erkennt, die man endlich abgeschüttelt zu haben glaubte. Doch die Scherben sprechen ihre eigene Sprache. Im Zerbrechen der Hochaltäre symbolisiert sich das Zerbrechen vieler geistlicher Lebensentwürfe. Der versprochene „Aufbruch“, das Erstehen einer „jungen“, „lebendigen Kirche“ auf dem Trümmerfeld der Tradition ist Illusion geblieben und wird es auch weiterhin bleiben. Ein Blick auf diese Wirkungsgeschichte macht deutlich: Hier geht es um mehr als um die Frage, wie die Gläubigen das unblutig vollzogene Opfer Jesu Christi auf dem Altar in „tätiger Teilnahme“ besser und inniger mitfeiern können. Hier wurde die Reform und totale Veränderung der Liturgie zu einem Vehikel eines neuen Kirchenbildes und anderer Ideologien. Es ist das Schicksal der Liturgiekonstitution, dass ihre Umsetzung nach ihren eigenen Maßstäben und dem Willen der Konzilsväter nicht nur anders – moderater, organischer, traditionsverbundener – hätte ausfallen müssen, sondern dass diese Umsetzung mit einer den ganzen Glauben treffenden und die ganze Kirche erschütternden Verschiebung einhergegangen ist. Wem dieses Urteil zu hart erscheint, besuche nur einen beliebigen Pfarrgottesdienst und versuche, nach dem alten Gesetz „lex orandi, lex credendi“ den Glauben derer, die für die Gestaltung der Liturgie verantwortlich sind, aus ebendieser Gestaltung herzuleiten.9 Ein Ausdruck dieser „Verschiebung“ ist auch die immer weitergehende Reform der Liturgie. In manchen Sakristeischränken kann man noch das dreibändige Missale von 1965 finden, in dem sich die erste auf „Sacrosanctum Concilium“ zurückgehende, reformierte Gestalt der katholischen Liturgie findet, die sich v.a. durch eine Verkürzung des Stufengebets und den Wegfall des Schlussevangeliums auszeichnet. Warum eigentlich ist dieser „Zwischenritus“ nicht heimisch geworden? Weil es seitdem eine immer weitergehende und – nach dem Willen mancher Liturgiewissenschaftler – nie enden könnende Dauerreform der Liturgie gibt, deren Legitimation ausschließlich mit der Berufung auf den berüchtigten „Geist des Konzils“ ziemlich dünn ist. Die neuesten Ergebnisse dieses Prozesses ist die Schaffung ellipsenförmiger Gottesdiensträume, in deren Brennpunkten Altar („Tisch des Brotes“) und Ambo („Tisch des Wortes“) ihren Platz haben. Die Gläubigen sitzen (auch die Kniebänke sind weggefallen) wie im Zirkus im Kreis darum herum. Die Auseinandersetzungen und Diskussionen über diese immer weitergehende Liturgiereform aber dauern an. Immerhin ruft uns der Papst selbst im Apostolischen Schreiben zum Jubeljahr 2000 zur „Gewissensprüfung“ auf, inwieweit auch in Fragen der Liturgie das Anliegen des Konzils tatsächlich verwirklicht worden ist.10 Dass profilierte Konzilsbeobachter, die seinerzeit nicht gerade zur kurialistischen Partei gehörten, in der Rückschau ernste Zweifel an einer allseits gelungenen Umsetzung angemeldet haben, sei nur im Blick auf Prof. Hubert Jedin11 oder Joseph Kardinal Ratzinger12 vermerkt. Gegen all jene aber, die meinen, jede Form moderner liturgischer Praxis oder eigenen vorauseilenden Gehorsams im Blick auf „das Konzil“ rechtfertigen zu können, ist festzuhalten: Nichts in den Konzilsaussagen spricht dafür, dass – bei allen sicherlich gewollten neuen Akzentuierungen – das Wesen der katholischen Liturgie, wie es etwa in früheren lehramtlichen Texten umrissen wurde, umdefiniert werden sollte. Die Bestimmungen des II. Vatikanums sind darum wie alle Konzilstexte früherer Jahrhunderte in den Kontext der größeren kirchlichen Tradition einzuordnen und aus diesem heraus zu interpretieren. Die Konzilsväter selbst wollten ja aus der Vergangenheit einen Maßstab für die Liturgie von heute gewinnen. Mit Recht hat Robert Spaemann deshalb bemerkt, es gebe nichts Dümmeres als die oft gehörte Parole, niemand dürfe „hinter das Konzil zurück“: Entweder ist dieser Satz eine Banalität – im Sinne von: Man kann nicht die Zeit zurückdrehen. Oder er ist falsch, wenn man meint, erst im II. Vatikanum und nur hier werde die Offenbarung Gottes endgültig begriffen.13 Denn eine solche Sicht ist durch die Texte des Konzils nicht gedeckt. Gegen diese Texte und ihren Wortlaut aber ist die Berufung auf den ominösen „Geist des Konzils“ unzulässig. Schreiten wir zu einer kleinen Bestandsaufnahme: Da ist zunächst die Situation des klassischen römischen Messritus. Es ist in der Wirkungsgeschichte von „Sacrosanctum Concilium“ nicht gelungen, die klassische Liturgie vollständig zu eliminieren. Die in der Folge des unseligen Schismas um Erzbischof Lefebvre entstandenen Priestergemeinschaften mit dem Proprium der Pflege des klassischen Ritus, die Laiengruppierungen, die sich für die Ermöglichung dieses Ritus einsetzen und solche oft erkämpfen mussten und nicht zuletzt die Legitimation und Förderung des klassischen Ritus durch das kirchliche Lehramt sprechen eine deutliche Sprache. Mittlerweile scheint auf diesem Feld eine gewisse Entspannung erkennbar zu sein – die Möglichkeit einer Reintegration der Priesterbruderschaft Pius X. wird offen diskutiert und für wahrscheinlich gehalten. Wer immer noch glaubt, es handle sich dabei nur um Zugeständnisse für besonders alte und uneinsichtige Gläubige, der irrt. In der verheerenden Situation unserer Tage stellt der klassische Ritus eine wirkliche, katholische Alternative dar – auch und gerade für diejenigen, die sich enttäuscht von dem hemdsärmligen, selbstgemachten, kinderbelustigendem Kitsch abwenden, der in vielen Gemeinden als Liturgie verkauft wird. Man wird die Prognose wagen dürfen, dass diese Entwicklung weiter voranschreitet. Auch wenn die Existenz von zwei lateinischen Riten aus verschiedenen Gründen nicht wünschenswert ist, bleibt letztlich keine andere sinnvolle Lösung, als die Anerkennung der faktischen Gegebenheiten. Und wie heißt es so schön? Das chinesische Schriftzeichen für Krise bedeutet gleichzeitig auch Chance. Vielleicht liegt in der blühenden Existenz des klassischen Ritus auch eine Chance für die Erneuerung und Verlebendigung der „neuen Messe“. Ein zweiter Punkt der Bestandsaufnahme gilt der Frage nach dem „Volksaltar“. Neben der Erlaubnis der Muttersprache gilt der Wechsel der Zelebrationsrichtung als das Merkmal der Liturgiereform. Im Unterschied zur ersteren findet diese Neuerung jedoch keinen Auftrag in der Liturgiekonstitution. Auch hier hat Ratzinger schon vor längerer Zeit die bestehende Praxis kritisch hinterfragt14 und auf die kosmologische Dimension der Zelebrationsrichtung versus deum hingewiesen, die ihrem Sinn nach die Gleichwerdung von Priester und Volk zum gemeinsamen Akt der trinitarischen Anbetung bedeutet. Unbedingt bedenkenswert ist der Vorschlag Ratzingers, zumindest ein großes Kreuz so auf dem Altar aufzustellen, dass Priester und Gläubige es gemeinsam anschauen: „Im Hochgebet sollen sie nicht sich anblicken, sondern gemeinsam auf Ihn – hinschauen auf den Durchbohrten (Sach 12,10; Apok 1,7).“ Für Ratzinger ist ein solches Kreuz nicht ein Hindernis, sondern im Gegenteil eine Vorraussetzung für die Zelebration versus populum. 15 Ein letzter Punkt der Bestandsaufnahme betrifft diejenigen Auswirkungen der Liturgiereform, die eine klare Verletzung der Forderungen von „Sacrosanctum Concilium“ bedeuten und die – frei nach dem Motto: Zurück zum Konzil! – einer sofortigen Revision bedürfen. Drei Beispiele: • „Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.“ (SC 22, §3) Das Bild vieler unserer Pfarrgottesdienste ist in der Regel leider auch ein Bild eines unerträglichen liturgischen Wildwuchses, der eine ständige, eklatante Verletzung dieser Forderung der Liturgiekonstitution bedeutet. • „Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben, soweit nicht Sonderrecht entgegensteht.“ (SC 36, §1) 16 Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass heute faktisch das Gegenteil eingetreten und die lateinische Kultsprache völlig verschwunden ist. Selbst falls hier und da noch lateinische Hochämter eine kümmerliche Existenz fristen, werden sie von der überwiegenden Mehrzahl der Gläubigen als exotische, vorkonziliare, im Grunde fremde Elemente wahrgenommen. • „Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen.“ (SC 116) Auch hier dasselbe, trostlose Bild. Der vor vierzig Jahren noch in der kleinsten Dorfgemeinde geübte, lebendige Choral ist heute – nach den Gotteslobliedern (Platz 1), „neuem geistlichen Liedgut“ (Platz 2), „Kindermutmachliedern“ (Platz 3), den sich (immerhin!) durch meist fromme Texte auszeichnenden Liedern charismatischer Gemeinschaften (Platz 4) und „Gospels“ (Platz 5) – allerhöchstens auf einem weit abgeschlagenen Platz 6 in der Skala anzusiedeln. Neben solchen klaren Verletzungen der Forderungen von „Sacrosanctum Concilium“ hat Joseph Kardinal Ratzinger bereits vor über 20 Jahren in verschiedenen Predigten und Aufsätzen17auf wichtige Kritikpunkte hingewiesen: Die verengende Ideologisierung der „Gemeinde“, deren Eucharistiefeier Selbstbestätigung und Selbstabschließung bedeutet, muss wieder auf die Gesamtkirche hin geöffnet werden; die participatio actuosa aus dem Liturgie selbst produzierenden Aktivismus herausgeführt und die Frage nach der „Unterscheidung des Herrenleibes“ im Zuge einer Kommunionpraxis, die den regelmäßigen Kommuniongang als Ausdruck der Zugehörigkeit zur Gottesdienstgemeinde empfindet, von neuem gestellt werden. Man könnte viele weitere Beispiele anfügen – entscheidend bleibt die Frage: Warum ändert sich nichts? In seinem jüngsten Interview mit der Tagespost18 hat Kardinal Ratzinger auf einen entscheidenden Punkt verwiesen19: Viele Bischöfe fragen zunächst nach der Verhältnismäßigkeit: „Ist dieser Missbrauch, das Fehlverhalten, die Irrlehre so gewichtig, dass ich das öffentliche Geschrei auf mich nehmen muss sowie auch die ganzen Verunsicherungen, die dabei auftreten, oder muss ich versuchen, den Fall möglichst in Frieden zu lösen oder auch das an sich Unannehmbare zu tolerieren, um größere Verwundungen zu vermeiden?“ Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Priester, die in den Pfarrgemeinden versuchen, die (liturgischen) Regeln und Normen der Kirche zu leben, dieses „öffentliche Geschrei“ und andere Unannehmlichkeiten sehr wohl ertragen müssen, ist doch wirklich die Frage, ob Ratzinger nicht recht hat, wenn er etwas später sagt: „Aber dabei haben wir unterschätzt, dass alles, was man an Vergiftungen toleriert, Gift hinterlässt, das weiterwirkt und am Ende eine wirkliche Gefährdung der Glaubwürdigkeit der Kirche mit sich bringt, weil die Meinung entsteht: Man kann dies und jenes sagen, das alles hat in der Kirche Platz.“ In diesem Sinne ist es nur zu wünschen, dass 40 Jahre nach der feierlichen Proklamation der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils alsbald eine „liturgische Entgiftung“ auf der Grundlage von „Sacrosanctum Concilium“ durchgeführt wird – mögen auch die Entzugserscheinungen schmerzhaft sein.

Paul Badde - Gott ist ein Stück Brot

Unglaublich, was diese Leute da glauben oder Warum die Eucharistiefeier der katholischen Kirche ein einziger Skandal ist

Gegenüber der “Schule von Athen”, die sich in jedem Geschichtsbuch der Mittelstufe findet, hatte der junge Raffael um das Jahr 1509 schon den “Disput über das Sakrament” auf die andere große Wand der päpstlichen Sala della Signatura gemalt. 

Es war sein erstes Fresco in Rom. In Wittenberg hatte Dr. Luther seine Thesen noch nicht angeschlagen. Wie in einem Bernstein hält Raffaels "Disputa del Sacramento" deshalb das Eucharistieverständnis der vorreformatorischen Christenheit Europas fest.

paul_badde_sakrament Das Wandbild zeigt einen Altar in der Mitte, darauf eine Monstranz mit einer Hostie, darüber schwebt der Heilige Geist, darüber der erhöhte Christus, darüber der Vater im Himmel. Adam, Moses, König David, Jeremias und der heilige Stephanus lagern entspannt neben anderen Patriarchen, Propheten, Heiligen und Engeln um Gott in den Wolken, während sich auf der Erde Kirchenlehrer wie Augustinus und Künstler wie Bramante um ein winziges Stück Brot in einer goldenen Fassung scharen: um das “eucharistische Antlitz” Christi, wie Johannes Paul II. jetzt schrieb, um die “Medizin der Unsterblichkeit, Gegengift gegen den Tod”, wie Ignatius von Antiochien im 2. Jahrhundert sagte.

David Scott - Mutter Teresa's Hunger nach Gott / Eucharistie und die Armen

Mutter Teresa, die Jesus im Brot und im Wein der Eucharistie und in der Verkleidung der Armen gefunden hat, lädt uns ein, dasselbe zu tun. Eines Tages las Mutter Teresa eine Frau von der Strasse auf. Ihr Körper war voll Schmutz mit offenen Wunden und Maden. Mutter Teresa badete sie geduldig und wusch ihre Wunden. Die Frau hörte nicht auf sie anzuschreien mit Beleidigungen und Schimpfworten. Mutter Teresa lächelte nur. Endlich murmelte die Frau, "Warum tun sie das? Nicht jedermann benimmt sich wie sie. Wer lehrte sie das?

Sie antwortete einfach: “Mein Gott lehrte mich.” Als die Frau fragte, wer dieser Gott sei, küsste sie Mutter Teresa auf die Stirn und sagte: “Du kennst meinen Gott. Mein Gott wird Liebe genannt.”
Dies war die einfache Wahrheit, die Mutter Teresa lebte. Es war ein Glaube, der sich jeden Tag nährte und erneuerte in der Eucharistie. “Die Messe ist die spirituelle Nahrung, die mich aufrecht erhält – ohne die ich nicht einen einzigen Tag oder Stunde in meinem Leben durchkommen könnte,” sagte sie.
Die Eucharistie war die spirituelle Türangel, die ihr mystisches Leben des Gebetes mit ihrer täglichen Verehrung der Armen und Ausgestossenen vereinigte. Besucher im Sterbehaus von Kalkutta waren oft überrascht, dass ihr erster Besuch der eucharistischen Kapelle galt. Jesus, so sagte sie ihnen, ist der “Herr des Hauses” – und seine Gegenwart ist der Grund für ihre Arbeit. 
Das war eine ihrer wichtigsten Lektionen – dass wir, wie die ersten Christen, die geheimnisvolle Verbindung zwischen Christi Gegenwart unter der Gestalt des Brotes und Weines und seine Gegenwart in den Armen sehen sollten. “In der Messe haben wir Jesus in der Gestalt von Brot, während dem wir in den Slums Christus in den gebrochenen Gestalten, in den verlassenen Kindern, sehen und berühren “ sagte sie. 
Ihr tiefes Gespür für diese zweifache Präsenz Christi wurde durch Papst Johannes-Paul II. anerkannt, als er sie am 19. Oktober 2003 auf dem Petersplatz vor rund 300'000 Menschen zur Seligen Mutter Teresa von Kalkutta erkor.
Der Prozess, der zu ihrer Seligsprechung führte, hat uns zu verstehen geholfen, warum die Eucharistie von Anfang an im Herzen ihrer Arbeit war.


Mirela Sevenich-Walter - Eucharistische Anbetung

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht. 
Matthäus 11,28-30

Eucharistische Anbetung

Sr. Dr. Katharina Deifel OP / Wien - Eucharistie – Sakrament der Liebe Gottes

Kirche als Leib CHRISTI Wenn die Gegenwart GOTTES in Seiner Schöpfung zu ihrem Heil, zu ihrer Vollendung, notwendig (im wahrsten Sinn des Wortes!) ist, muss Er nach Auferstehung und Himmelfahrt CHRISTI neue Formen dieser Präsenz finden. Es muss sich eine Gemeinschaft bilden, die CHRISTUS in Wort und Tat in der Geschichte bis an ihr Ende bezeugt – die Kirche. Ich erinnere an das wunderbare Kirchenbild des PAULUS:1 Kor 12, 12-­‐27. 

PAULUS fordert damit nicht mehr und nicht weniger, als dass Sich die Liebe GOTTES in der Kirche ebenso verleiblichen soll, wie sie sich in CHRISTUS verleiblicht hat. Ein hoher Anspruch – und zugleich eine Erinnerung daran, dass Kirche nur so weit Kirche ist, als sie CHRISTUS repräsentiert! 


Die Sakramente als Fortsetzung der Verleiblichung der Liebe GOTTES Ein Zeichen ist ein modellhaft vereinfachtes Bild für eine (meist komplexere) materielle Wirklichkeit, z.B. Verkehrszeichen, Atommodell, Planetarium.
Ein Symbol – wörtlich: das Zusammengefügte – ist ein Bild für eine geistige Wirklichkeit, es erschließt damit einen neuen Wirklichkeitsbereich oder, anders ausgedrückt, ein Symbol hat eine einfache Brückenfunktion. Es wird nicht willkürlich festgelegt, sondern hat Anteil an dem, was es symbolisiert und erwächst aus einer bestimmten Kulturgemeinschaft (z.B. Kreuz) oder aus menschlichen Grundgegebenheiten (z.B. Wasser) Ein Sakrament ist ein wirksames Symbol; seine Wirksamkeit beruht sowohl auf der Heilszusage GOTTES durch CHRISTUS im GEISTE als auch auf unserem Antwortverhalten.

Das Sakrament hat daher eine doppelte Brückenfunktion, weil hier eine Wechselbeziehung GOTT – Mensch stattfindet. Für den gläubigen Menschen jeder Religion kann jeder Sinnengegenstand Symbol für den tragenden Sinngrund, den wir GOTT nennen, werden -­‐ vgl. GOETHEs „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“. Ferner liegt es offenbar im Wesen des Menschen, besondere Knotenpunkte des Lebens – Geburt und Tod, Mahlgemeinschaft und Geschlechtsgemeinschaft – symbolisch auf diesen letzten Sinngrund zu beziehen. Dieser anthropologische Aspekt ist der Symbolik und der Sakramentalität gemeinsam. Daher haben die Sakramente auch am spezifischen Aufgabencharakter der Symbole teil.

Damit ist von vornherein ein magisches Sakramentsverständnis abgewehrt: Der Satz: „GOTTES Gaben sind Aufgaben für den Menschen“ gilt auch und gerade in der Sakramententheologie. Denn in jedem Sakrament übernehme ich eine Aufgabe für einen bestimmten Lebensbereich, erhoffe mir aber die dazu nötige Gnade GOTTES. Und diese Hoffnung beruht darauf, dass sich im Sakrament die in CHRISTUS erfolgte Verleiblichung GOTTES fortsetzt Daher gehören Kirche und ihre Ausfaltung in einzelnen Sakramenten wesentlich zum Christentum, nicht aber in andere Religionen, denen der Gedanke der einmaligen MenschwerdungGOTTESfremd ist. Die Ausfaltung des Grund-­‐Sakraments Kirche in Einzelsakramente war ein langer historischer Prozess, Marksteine waren das Lateranense IV (1215) und das Tridentinum (1545-­‐63). Von den damals festgelegten 7 Sakramenten sind aber nicht alle gleichrangig, sondern Taufe und Eucharistie gelten als sacramenta maiora, als die wichtigeren Sakramente (DH 1603).

Taufe und Eucharistie entsprechen zwei menschlichen Grunderfahrungen, ohne die menschliches Leben nicht glücken kann: Die Vater-­‐Mutter-­‐Erfahrung ist die Erfahrung der Geborgenheit in einem Sinngrund; anthropologische Voraussetzung ist das zunächst durch die Eltern, später durch andere menschliche Gemeinschaften vermittelte Urvertrauen – das aufgrund der menschlichen Fähigkeit zur Selbttranszendenz auf einen Letztgrund in überschritten werden kann. Diesem Urvertrauen entspricht das Sakrament der Eucharistie und als weitere Ausfaltung die Sakramente Buße und Ehe. Die Geist-­‐Erfahrung ist die Erfahrung der Aufgabenhaftigkeit unseres Lebens und damit des je eigenen Lebenssinns: Je mehr man sich von diesem Lebenssinn be-­‐GEIST-­‐ern lässt, desto sinnvoller erlebt man das Leben. Der Sinn-­‐Erfahrung entspricht das Sakrament der Taufe und die Ausfaltung in den weiteren Sakramenten Firmung, Weihe, Krankensalbung. Beide Grunderfahrungen ergänzen einander: nur wer sich angenommen weiß, kann eine Aufgabe übernehmen – und nur, wer Aufgaben übernimmt, weiß sich angenommen.

Eucharistie als doppelte Wandlung Liturgische Mahlgemeinschaften symbolisieren auch in anderen Religionen, besonders im Judentum, eine doppelte Gemeinschaft: die “vertikale” Gemeinschaft der Gläubigen mit GOTT und die “horizontale” Gemeinschaft der Gläubigen untereinander. Im Christentum ist aufgrund der Menschwerdung GOTTES in CHRISTUS diese Mahlfeier wirksames Symbol himmlischer Gemeinschaft, d.h. symbolisiert nicht nur als irdische Gemeinschaft die himmlische, sondern realisiert sie auch partiell: deshalb war und ist die Eucharistiefeier Zentrum kirchlichen Lebens. Das Leibsymbol vermittelt dabei zwischen dem LeibCHRISTI als konsekriertem Brot und Leib CHRISTI als Gemeinde: in beiden Symbolen ist CHRISTUS wirklich (wesenhaft und wirksam zugleich) gegenwärtig. Es findet daher in jeder Eucharistiefeier eine doppelte Wandlung statt: die von Brot und Wein in Leib und Blute CHRISTI und die der Gläubigen in Glieder das Leibes CHRISTI. Das Leibsymbol macht daher das im Sakrament intendierte Zusammenwirken von GOTT und Mensch besonders deutlich:

GOTTES Pro-­‐ Existenz in CHRISTUS soll vom Menschen durch Pro-­‐Existenz für GOTT und die Mitmenschen (GOTTES-­‐ und Nächstenliebe) beantwortet werden. Dadurch entsteht auf Erden “Leib CHRISTI” als jene spezifische GOTT-­‐Mensch-­‐Mensch-­‐ Mensch-­‐Gemeinschaft, deren Vollendung wir als Himmel erhoffen.

Sr. Dr. Katharina Deifel OP / Wien


Weihbischof Dominikus Schwaderlapp - Die hl. Eucharistie – Sakrament der Demut Gottes

„Du gibst uns das Leben, o lebendig Brot, werde gnädig Nahrung meinem Geiste du.“ Die Feier der Eucharistie ist nicht bloß Erinnerung und Gedächtnis an Vergangenes. Sie bewirkt lebendige und bleibende Gegenwart Jesu Christi unter den Gestalten von Brot und Wein. ER wird für uns zur Nahrung, ER wird für uns genießbar und verzehrbar. Wandlung ist kein Gedanke in unserem Kopf, sondern Geschehen an den Gaben – ein Geschehen allerdings, dass unser Verstand allein nicht erfassen kann. Hier bleiben uns nur die Worte des Hl. Thomas:

„Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart ich mir, was Gottes Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an. Er ist selbst die Wahrheit die nicht trügen kann.“ Wenn wir uns aber auf diesen Glauben einlassen, dann begreifen wir: Was mit der Menschwerdung in Nazareth, der Geburt in Betlehem und dem Ostergeheimnis in Jerusalem begonnen hat, findet in der Hl. Eucharistie seine Verlängerung bis in die Gegenwart hinein. Der Gottessohn nimmt unser Menschsein an, um mit uns eins zu werden. Er will, dass wir mit ihm verschmelzen!

Mir hilft in diesem Zusammenhang folgender Gedanke: Wenn wir einen Menschen gern haben, dann möchten wir mit ihm zusammen sein, wir möchten mit ihm eins sein. Liebe will Einheit. Jede Umarmung ist ein Zeichen dieses Eins-sein-Wollens mit dem Menschen, den man gern hat. Christus umarmt uns nicht nur, um mit uns zusammen zu sein, er gibt sich uns als Speise! Und er tut dies, damit wir in ihm aufgehen. So offenbarte sich der Herr einmal dem Hl. Augustinus mit den Worten: „Nicht du wirst mich in dich verwandeln, sondern du wirst in mich gewandelt werden.“ (Confessiones, 7,10) Gott will unsere Vergöttlichung!
Welch unglaubliche, unfassbare und unübertreffbare Liebe, Zuwendung, Zuneigung und Hingabe zeigt Gott uns im Geschenk der Heiligen Eucharistie! Eigentlich müsste ein Sonntagsgebot überflüssig sein. Denn wir wären töricht, wenn wir dieses Geschenk unbeachtet liegen ließen. Und doch hat das Sonntagsgebot seinen Sinn. Es erinnert uns daran, dass es nicht nur eine Dummheit, sondern eine grobe Lieblosigkeit und Achtlosigkeit gegenüber diesem Geschenk Gottes wäre, es einfach unbeachtet bei Seite zu lassen. Wenn wir uns dies vor Augen halten, bedeutet das aber auch: Wir dürfen nicht unbedacht und gedankenlos die heilige Kommunion empfangen. Herz und Verstand müssen vorbereitet sein.

In diesem Zusammenhang bereitet mir folgendes Phänomen weiterhin nachhaltig Sorgen. Die Schlangen vor den Kommunionbänken sind immer noch recht lang, aber vor den Beichtstühlen denkbar kurz. Hier kann etwas nicht stimmen!

Entdecken wir wieder neu diese großen Schätze der göttlichen Barmherzigkeit die uns geschenkt sind, die Heilige Eucharistie und das Bußsakrament. Beide gehören zusammen. Die Gestalten von Brot und Wein sind bescheiden und übersehbar. Damit wir aber nicht vergessen, wer es ist, der sich uns unter diesen Gestalten zeigt, gibt es Gesten und Zeichen der Ehrfurcht. Sie sind keineswegs nur äußerlich oder gar belanglos. Sie sind so etwas wie ein Wecker, der uns wachrüttelt. Dazu gehört die Kniebeuge vor dem Tabernakel beim Betreten der Kirche. Dazu gehört auch das Knien beim Eucharistischen Hochgebet, das Falten der Hände als Zeichen, dass wir uns zusammen nehmen und auf Gott hin orientieren. Dazu gehört auch die Atmosphäre der Stille und Andacht, die uns zur Sammlung vertieft. Dazu gehören auch die kostbaren Gefäße für die Eucharistischen Gestalten. Sie sind keine Prunksucht, sondern Zeichen unserer Überzeugung: Der, den diese Gefäße bergen, ist unendlich viel wertvoller, als alles Gold dieser Welt: „Du gibst uns das Leben, o lebendig Brot, werde gnädig Nahrung meinem Geiste du“.

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp
Auszug aus dem Vortrag beim KKV in Monheim am 22. April 2013
Die hl. Eucharistie – Sakrament der Demut Gottes
Quelle: www.erzbistum-koeln.de


Sr. M. Michaela Mayer ISA - Anbetung – Schule des Lebens im Schatten des Kreuzes

Damit wir unserem Thema leichter auf die Spur kommen, möchte ich diese Überschrift in 3
Teile „zerlegen“:
1. Anbetung
2. Schule des Lebens
3. im Schatten des Kreuzes

1. Anbetung

P. Winfried M. Wermter C.O. - Eucharistie-Heft

Die Eucharistie ist „Quelle und Gipfel“ des christlichen Lebens. Das wird seit dem II. Vatikanischen Konzil immer wieder betont. Und dennoch sehen wir in der kirchlichen Praxis eine gewisse Ratlosig-keit. Vielerorts bemüht man sich, die Gläubigen beim Gottesdienst in die verschiedenen Dienste einzuspannen („integrieren“).


GEWIDMET

 DEM BISCHOF VON REGENSBURG

 DR.  RUDOLF  VODERHOLZER

 ZU SEINER WEIHE UND ZUM AMTSANTRITT

AM 26. JANUAR 2013

 

VON DEN ORATORIANERN DES HL. PHILIPP NERI

IN AUFHAUSEN

 UND DER GESAMTEN GEISTLICHEN FAMILIE

VOM HEILIGEN BLUT

  

AUF DASS DIE EUCHARISTIE

 DIE QUELLE DES VOLKES GOTTES

 UNS ALLE IMMER MEHR NÄHREN MÖGE

AUF DEM WEG ZUM GIPFEL

ZU CHRISTUS

 DER HOFFNUNG DER HERRLICHKEIT


Die heilige Eucharistie

Was bedeutet der Ausdruck "Eucharistie" ?

Der Ausdruck "Eucharistie" kommt aus der griechischen Sprache und hat zwei Bedeutungen: erstens "gute Gabe" ("eu charis"), damit wird auf den Leib und das Blut Christi hingewiesen; zweitens "Dank sagen" ("eucharistein"), damit wird auf das Opfer Jesu Christi hingewiesen, für das der Priester und die Gläubigen dem himmlischen Vater danken.

Gerhard Braun - Eucharistie und Anbetung

Die Katholische Kirche feiert, von Papst Benedikt XVI. 2012 eröffnet, das Jahr des Glaubens. Es endet am 24. Oktober 2013. Ist es da nicht mehr als angemessen, sich besonders, aber nicht nur, in dieser Zeit mit dem zentralsten Punkt unseres Glaubens, der Heiligsten Eucharistie zu befassen?  Sie ist schlechthin der Brennpunkt unseres Glaubens. Dem Herrn war dieses Sakrament so wichtig, dass er es noch am Abend vor seinem Leiden eingesetzt hat.

Diesem Sakrament kann sich in zweifacher Hinsicht genähert werden. Im Sinne des Verstandes aber auch des Gemütes. Wichtig ist dabei immer die Liebe zum Herrn. Man kann viel darüber geschriebenes lesen, darüber nachdenken und betrachten, man kann aber auch, um es kurz zu sagen, einfach vor dem Allerheiligsten im Tabernakel verweilen und anbeten. Für letzteres möchte ich hier den Schwerpunkt setzen, in Anlehnung an den Ausspruch des Mannes beim Pfr. von Ars vor dem Tabernakel: „Er schaut mich und ich schaue Ihn“.

 

Anfang des letzten Jahrhunderts kamen vier Büchlein heraus die sich „Eucharistische Funken“ nannten. Sie wurden aus dem Italienischen übersetzt und sollten eine Blütenlese frommer Gedanken und Gesprächen zu Füßen Jesu im allerheiligsten Sakrament sein. Im Vorwort des Verfassers stand etwas, auf was man besonders auch heute sehr bedacht ist: nur ja nicht dem Gefühl zu viel Raum geben; der Verstand muss im Vordergrund stehen:

„Man wird vielleicht bemerken, die ‚Funken’ seien etwas reichlich vom Gemüt diktiert. Das geschah mit Absicht. Sie sind hauptsächlich, um nicht zu sagen ausschließlich, solchen Seelen dargeboten, die zu Jesu mehr mit dem Herzen kommen als mit dem Verstand. Darum erschien es vorteilhafter, den Herzen zu helfen, statt den Verstand zu ermüden.“

Einen dieser Beiträge möchte ich im Folgenden zusammenfassen.

 

In der Nähe Jesu.

Nahe bei Jesus ist einem wirklich wohl. Die eucharistische Stunde ist darum stets die schönste in der Woche; sie ist die Stunde des Friedens, der Ruhe, des Aufatmens. Sicher verweilen wir oft vor dem Allerheiligsten, ohne zu wissen, was wir dem Herrn sagen sollen. Und doch empfindet das Herz so vieles, aber der Mund bleibt trotzdem stumm.

Diese Schweigsamkeit darf uns jedoch nicht betrüben, denn auch die Engel reden nicht, sie denken und lieben, und ihre Sprache besteht darin, Jesus ihr ganzes Sein darzubieten. Jesus sieht sie, nimmt sie an und das genügt.

Machen auch wir es so: öffnen wir ihm unsere ganze Seele und unser Herz und überlassen dem Heiland die Sorge darin zu lesen. Verhehlen wir ihm dabei nichts, denn er durchdringt mit seinem Blick unser ganzes Wesen. Wie schön ist es, diesen Blick auf sich ruhen zu lassen! Er hat etwas wärmendes und versöhnliches; irgendwie fühlt man sich nach einer Stunde geläutert. Man ist noch derselbe und hat doch den Eindruck: man ist sanfter und geduldiger.

Wenn wir die s.g. Weltkinder gegenüberstellen, so haben sie oft wenig Verständnis für solche Gedanken der Anbetung und beim Herrn verweilen. Ihre Ausrichtung gilt gewöhnlich mehr den Vergnügungen als in der Stille beim Herrn sein. Wenn ich Jesus anbete, tue ich nichts anderes, als mich an den Platz stellen, der mir gebührt. Vor dem Tabernakel befinde ich mich vor einer Hoheit, die jede menschliche Hoheit weit überragt. Hier bin ich in der Gesellschaft der heiligen Engel, deren Schönheit und Größe wir erst in der Ewigkeit erfassen können. Hier kommen die heiligsten und edelsten Seelen zusammen, die sich in ihrem Leben in der Nachfolge Christi bewährt haben. In der Nähe von Jesus ist der Platz, von dem ich mit neuem Mut und mehr Zuversicht wieder in meinen Alltag gehe.

In der Gegenwart Jesu finde ich immer, was die Welt mir nicht geben kann: die Erkenntnis meiner selbst. Im Lichte der Eucharistie kann ich meine Verfehlungen und Sünden erkennen und um Vergebung bitten. Wenn nicht hier, wo in der Welt kann ich einen solchen Platz noch finden. Wer, außer Jesus, könnte mir sagen: „Gehe in Frieden, deine Sünden sind dir vergeben“?

Die Hochmütigen der Welt haben für die Reuigen keinen anderen Kommentar als demütigende Geringschätzung. Jesus allein versteht es, wieder aufrichten zu wollen, wieder Mut zu machen und seine hilfreiche Hand zu bieten. Jesus allein gibt den Kuss der erneuerten Freundschaft.

Jede Stunde meiner Vergangenheit, aber auch jede Stunde meiner Zukunft möchte ich Jesus schenken als Ausdruck meiner Dankbarkeit und diese mit der Bitte verbinden, dass er mir weiterhin Erlöser und Freund sei.

Bist du zufrieden, mein Heiland, wenn ich immer wieder ein wenig bei dir verweile? Du hast doch die heilige Eucharistie eingesetzt, um bei uns, bei mir zu bleiben? O Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes hast du nicht gestattet, Hütten zu bauen im Glanze des Tabors. Aber ich darf bei dir verweilen, um mit dir reden zu können und hinzuhören, was du mir zu sagen hast.

Jeden Tag will ich auf deinem Altar frische Blumen niederlegen, die ich im Garten meiner Seele gepflegt habe: Blumen der Anbetung, Blumen der Reue, Blumen der Danksagung, aber auch Blumen der Bitte. Und du, mein Jesus, winde aus diesen Blumen einen Kranz um dein Herz, denn dein Herz nur mit Dornen umgeben zu sehen, tut mir zu weh! 

 

 

Böhl-Iggelheim, 08.07.2013

 

Gerhard Braun


Edith Stein - Eucharistische Erziehung

Vortrag am 14.7.1930 im St. Martha-Heim in Speyer im Rahmen des Eucharistischen Diözesankongresses anlässlich des 900jährigen Domjubiläums. 
Die großartige Ehrung des eucharistischen Heilands in den Kundgebungen dieser Tage und in den vorausgehenden Festwochen -­ Fronleichnams-­ und Herz Jesu­‐Fest mit ihren Oktaven -‐ soll nicht etwas Einmaliges und Vorhergehendes sein, sondern eine dauernde Wirkung in uns hervorbringen. 

 

Darum fragen wir uns in stiller Besinnung: Wie können wir die Liebe zum eucharistischen Heiland in den Herzen anderer entzünden? -­‐ das heißt ja eucharistisch erziehen. Man nimmt an, dass wir als Frauen in besonderer Weise an diesem Werk mitarbeiten können und dass wir alle -­‐ ungeachtet der Unterschied e unserer Lebensstellung: als Gattin und Mutter, als Ordensfrau, als alleinstehende, beruflich oder freitätige Frau -­‐ etwas Gemeinsames dafür mitbringen. Und was könnte das anderes sein als das weibliche Herz mit seinem Verlangen nach schrankenloser, opferfreudiger Hingabe, das gewissermaßen eine natürliche Verwandtschaft mit dem göttlichen Herzen hat, das im Tabernakel für alle schlägt, und darum für die Anregungen dieses göttlichen Herzens besonders empfänglich sein müsste? So wollen wir überlegen, was uns tauglich machen kann zum Werk der eucharistischen Erziehung und wie wir sie leisten können. Ein Grundsatz gilt für uns alle, die wir eucharistisch erziehen wollen: Wir können es nur, wenn wir eucharistisch leben. Zu einem eucharistischen Leben wollen wir andere führen, und das können wir nur, indem wir es ihnen vorleben. So wird unsere erste Frage sein:

Die Theologie der Eucharistie - für Fortgeschritte

Das hier sollte eigentlich eine Katechese über das Sakrament der Eucharistie werden - und zudem die Frage klären, was das denn ist, "Leib Christi". Doch bevor ich die ersten Zeilen geschrieben hatte, wurde mir (während der Feier der Eucharistie und in Zeiten der Anbetung) klar, dass eine Katechese über die Hl. Messe eine Katechese über die Gesamtheit des katholischen Glaubens werden wird. Anders geht es gar nicht.

Es gibt eben verschiedene Wahrheiten, die wir in Sätze fassen können. Aber diese wahren Sätze (auch manchmal "Dogmen" genannt) existieren nicht unabhängig voneinander (deshalb kann man im katholischen Glauben nicht eine Auswahl von Wahrheiten glauben). Diese wahren Sätze hängen zusammen, begründen sich und ergeben sich aus anderen Sätzen wie ein Netz mit lauter Querverbindungen. Aber dieses Netz hat ein Zentrum, von dem alles ausgeht und alles zusammengefasst ist. Dieses Zentrum ist der Begriff "Leib Christi" - oder, treffender, "Inkarnation" (wörtlich mit "Fleischwerdung" zu übersetzen). Alle wahren Sätze unseres Glaubens sind im Grunde nichts anderes, als Ausschnitte der einen Wahrheit, die wir aufgrund unserer begrenzten Sprache nicht wiederum in einen Satz fassen können. Aber wir können diese eine Wahrheit darstellen, feiern und erleben: Jesus Christus in der Feier der Eucharistie.

Die Heilige Messe - für Anfänger erklärt

Nicht erst seit dem "katholischen Jahr 2005" fühlen sich immer wieder Menschen von der katholischen Kirche, vor allem aber von der katholischen Liturgie angezogen. Entweder als absolute Neulinge (manche noch nicht getauft) oder als "Heimkehrer", die oft über Jahre nur stille "finanzielle Teilhaber" der Kirche gewesen sind, stehen diese nun dem katholischen Zeichen- und Feier-Reichtum fasziniert, aber in der Mitfeier oft hilflos gegenüber.

Als ich vor einiger Zeit von einer Studentin gebeten wurde, sie in die Geheimnisse der katholischen Kirche einzuführen - nachdem sie zeit ihres Lebens mit dem "katholischen Kram" nichts am Hut hatte - , war ich erstaunt über ihr in wenigen Wochen erworbenes Wissen. Woher sie das hatte? "Das habe ich alles gegoogelt!"

Das World Wide Web ist tatsächlich für viele zur ersten Informationsquelle geworden, in der man sich vor allem dann, wenn man sich noch nicht öffentlich zum Glauben bekennen möchte, anonym und gezielt informieren kann. Daher diese Einführung in das größte der katholischen Mysterien: Die Heilige Messe.

Diese erste Begegnung mit der Eucharistiefeier (so der theologische Name für "Messe") soll hier durch ein paar praktische und tiefer führende Ratschläge erleichtert werden. Diese Seite kann aber nicht die Mitfeier selbst ersetzen - und vor allem nicht das persönliche Gespräch mit einem glaubenden und praktizierenden Katholiken, den man sich bei ernsterem Interesse als "Pate" erwählen sollte. Aber vielleicht eröffnen die folgenden Hinweise einen ersten Zugang, bewahren vor Peinlichkeiten und wecken Appetit auf mehr.


11 Predigten zur Eucharistiefeier

1. Predigt - Von Piloten, Kollisionskursen und Opfern

Das Wesen der Eucharistie

P. Winfried M. Wermter C.O. - I. VON DER AKTIVEN TEILNAHME AN DER EUCHARISTIEFEIER

Durch die Mitfeier bei der Heilige Messe will uns Jesus umwandeln – unser ganzes Leben: Wir dürfen schon auf dieser Erde seine Freunde sein bzw. werden. Darum wollen wir ihm keine Schande mehr bereiten, sondern Freude machen, ja ihn auch zu trösten versuchen. Die Mitfeier bei der Heiligen Messe ist dafür eine gute Gelegenheit.

I. VON DER AKTIVEN TEILNAHME AN DER EUCHARISTIEFEIER

P. Winfried M. Wermter C.O. - II. TEXTE ZUR VERTIEFUNG (A)

Wir können uns gar nicht vorstellen wie sehr uns Jesus liebt. Aus Liebe hat uns Gott erschaffen. Aus Liebe hat er uns seine Freundschaft geschenkt - schon im Paradies.

Aus Liebe hat er den Menschen verziehen, als sie die Freundschaft mit Gott verraten haben: Jesus, der Gottessohn, wurde ein Mensch und hat sich für uns kreuzigen lassen und damit für die Sünden aller Menschen gleichsam „bezahlt“.

II. TEXTE ZUR VERTIEFUNG (A)

P. Winfried M. Wermter C.O. - III. VON DER NOT UND DER GNADE DER ANBETUNG

     Ja, das ist ein erfreuliches Zeichen, dass nicht nur in Klosterkirchen, sondern auch immer mehr in den Pfarreien  regelmäßige Anbetungsstunden vor dem ausgesetzten Allerheiligsten Einzug halten. Das hat sicherlich auch mit den dringlichen Aufrufen der Gottesmutter zu tun, die an verschiedenen Erscheinungsorten zu Buße, Umkehr, Sühne und verstärktem Gebet  einlädt. 

III. VON DER NOT UND DER GNADE DER ANBETUNG

P. Winfried M. Wermter C.O. - IV. TEXTE ZUR VERTIEFUNG (B)

Jeder Mensch, der begreift, dass er Gottes Geschöpf ist, wird den Allmächtigen demütig anerkennen und ihn anbeten. Die christliche Anbetung sieht aber nicht nur die Größe, Allmacht und Heiligkeit Gottes.

IV. TEXTE ZUR VERTIEFUNG (B)

S.E. Weihbischof Dr. Athanasius Schneider - Die Erneuerung der Kirche im Hinblick auf die aktuelle Krise der eucharistischen Verehrung und des eucharistischen Glaubens.

Die wahre Erneuerung der Kirche beginnt in dem Bereich, der das Wichtigste, das Herz der Kirche ist, und das ist der Eucharistische Herr. Nun ist aber im Herzen des Lebens der Kirche von heute eine tiefe Wunde aufgrund der erbärmlichen Situation der Ehrfurchtslosigkeit, mit welcher man mit dem Allerheiligsten umgeht und aufgrund der zahlreichen unwürdigen Kommunionen, die man ohne vollen Glauben und ohne echte Reue empfängt. 

Die Erneuerung der Kirche im Hinblick auf die aktuelle Krise der eucharistischen Verehrung und des eucharistischen Glaubens.

Corpus Christi – er ist wirklich da!

Ich war jahrelang "Wiederverheiratet Geschiedene", zivil verheiratet mit einem Mann, mit dem ich eine Versorgungs- und Josephsehe führte. Diese Ehe ging ich deswegen ein, weil ich meinem Sohn nicht ein 2. Mal das männliche Vorbild wegnehmen wollte (was ich getan hätte, wenn ich mich von dem Mann getrennt hätte).

Corpus Christi – er ist wirklich da!

12. LED des falschen Eucharistieempfangs

Die Eucharistie ist etwas Heiliges, etwas Einzigartiges. Gott selber verschenkt sich persönlich, ganz klein, ganz rein, ganz heilig an jeden Einzelnen von uns. Das muss man sich einmal vorstellen, Jesus Christus starb, damit ich leben kann. Was für eine Liebe ist dies? Eine unbeschreibliche, übergroße Liebe! Und diese Liebe dürfen wir einnehmen, annehmen und dann in uns wirken und uns verwandeln lassen.


Leider sehe ich nur allzu oft, dass viele einfach unwissend vorgehen, die Hand ausstrecken und sich dann dieses kleine Stück Brot in den Mund schieben. Man macht noch Witze darüber oder es landet in der Hosentasche. Dies geschieht aber nur, weil ihnen die Lehre über die Eucharistie und deren Bedeutung nicht mehr verkündet wird.


Aus dem Buch "LED oder Liebe" von Monika Winter, hier informieren.